Saarländischer Schnittlauchsalat mit Eiern und einem würzigen Dressing
Einer Überlieferung des Historikers Plinius zufolge aß Kaiser Nero (37–68 n. Chr.) regelmäßig Schnittlauch, vermischt mit Öl, um eine schöne, kräftige Stimme zu bekommen und ein großer Sänger zu werden. Er hätte vielleicht besser versuchen sollen, seinen Hauptberuf als Imperator besser hinzukriegen, denn die Nachwelt kennt ihn nun als lausigen Sänger und ziemlich fürchterlichen Kaiser.
Wer seinen Beruf dagegen wirklich ausgezeichnet ausübt, ist Berthold, der Wirt meiner Stammkneipe „Stadtkrug“ in Saarlouis. Mit ihm kann man über Gott und die Welt schwätzen, wie wir im Saarland sagen. Als ich auf dem Weg zu Berthold kürzlich an einem Marktstand vorbeikam, sah ich dort dicke Bündel Schnittlauch liegen, und es kam mir die Idee zu einem Schnittlauchsalat. Berthold war sofort begeistert, als ich davon erzählte. Ein ganz einfaches Dressing und eine Prise Zucker empfahl er mir. Und so ähnlich habe ich es gemacht:
(Für 3 Personen als Vorspeise)
– 3 dicke Bund Schnittlauch
– 4 Eier, hartgekocht und geschält
– 1 Schalotte, geschält und fein gewürfelt
– Pflanzenöl
– Rotweinessig (oder noch besser: französischer „Melfor“)
– Sahne (bei Bedarf, Berthold nimmt keine)
– 2 TL Miracle Whip
– 1 EL mittelscharfer Senf
– 1/2 TL Zucker
– Fleur de Sel
– weißer Pfeffer
In einer Salatschüssel aus Öl, Essig, Senf, Schalottenwürfelchen, Salz und Pfeffer ein Dressing herstellen. Miracle Whip zugeben, eventuell etwas Sahne dazu, Zucker nicht vergessen und nochmals abschmecken. Da es ein saarländisches Gericht ist, kann bei Bedarf auch ein Spritzer Maggi dran.
Nun die Eier fein würfeln und den Schnittlauch waschen, dann in der Salatschleuder trocknen. Da ich gerade meine Messer beim Profischleifer habe behandeln lassen, freue ich mich auf den nächsten Schritt: mit scharfer Klinge den Schnittlauch in „gabelgerechte“ Stücke von etwa 2–3 cm Länge schneiden.
Das Finale: Schnittlauch und Eier zum Dressing in die Schüssel geben und unterheben. Da diese Menge Schnittlauchröllchen eine enorme Oberfläche hat, kann es sein, dass man Öl, Essig oder Gewürze nachlegen muss. Besser ist es also, beim Dressing schon eine etwas größere Menge einzukalkulieren als beispielsweise für einen Blattsalat.
Jetzt wird serviert! Unser Schnittlauchsalat kann als Vorspeise funktionieren, als Beilage oder – wie Berthold es macht – mit Bratkartoffeln als Hauptgang. Im Kühlschrank hält sich der Salat auch noch bis zum nächsten Tag, falls denn etwas übrig bleibt, aber das ist sehr, sehr unsicher. Noch unsicherer ist allerdings nach wie vor, ob die Gesangsstimme danach besser ist. Muss ich mal Berthold fragen. À bientôt!
P. S.: Was man dazu trinkt? Wenn wir im Saarland bleiben wollen und das Glück haben, noch einen hochprämierten Riesling Auslese „Muschelkalk“ von Petgen-Dahm im Keller zu haben, geht es wirklich kaum noch besser.