Der Wein mit dem Stachelschwein
Grechetto? Hatte ich noch nie gehört, bis mir Gianni de Bellis eines Tages ungefragt eine Flasche davon in den Kühler stellte. Ich hatte nach einem Tipp für einen säurearmen, aromatischen italienischen Weißwein gefragt. Gianni ist nicht nur ein begnadeter Gastgeber in seinem kleinen, feinen Restaurant an der südlichen Adria, sondern auch einer der bekanntesten italienischen Sommeliers. Deshalb blättere ich zwar manchmal in seiner umfangreichen Weinkarte, lasse aber immer ihn entscheiden, was ins Glas kommt. Zumal er meinen Geschmack (und den von Frau Knauber) inzwischen kennt. Nun also Grechetto, sortenrein in der Flasche, eine regionale Rebsorte aus Latium und Umbrien, von der Familie Mottura.
Nicht irgendeiner, sondern der italienische Weinführer „Gambero Rosso“ sieht in Mottura den weltweit besten Interpreten der Grechetto. Es gibt also wahrscheinlich kaum eine bessere Möglichkeit, diese Rebsorte kennenzulernen. In der Nase treffen sich weiße Blüten und Kräutergarten, geschmacklich nimmt man Aprikosen, Birnen und einen Hauch von Zitrus wahr. Dieser besondere Tropfen trinkt sich leicht und frisch, die milde Säure akzentuiert die Fruchtaromen aufs Leckerste. Die Flasche kostet im Handel etwa 15 Euro. Ein echter, aber noch bezahlbarer Sonntagswein!
Wer sich übrigens fragt, warum ein putziges Stachelschwein auf dem Etikett zu sehen ist: Vor über 30 Jahren stellte die Familie ihre Produktion auf ökologischen Weinbau um. Und seither sind die Stachelschweine wieder in ihre Weinberge zurückgekehrt. Ich habe die Regel, bei Gianni nie eine Flasche ein zweites Mal zu verlangen, weil ich ja sonst seine neueste Idee für meinen Weinkühler verpassen würde. Ich glaube, bei diesem Grechetto werde ich mal eine Ausnahme machen. À bientôt!
p.s.: Das bezaubernde Restaurant von Gianni de Bellis findet ihr hier: https://www.mywineitaly.it
