Ein Saar-Riesling, der zeigt, was im Terroir steckt!
Nach 25 Jahren in Berlin hatte ich erwartet, dass es schön sein würde, ins Saarland heimzukehren. Dass ich es gleich zu Anfang als besonders schön empfinden konnte, verdanke ich meinem Freund Dirk, der mich kurz nach der Ankunft fragte, ob ich Lust hätte, zu einer Weinprobe auf Schloss Würtzberg an der Saar mitzukommen. Ich sagte sofort zu.
Fahrtzeit 30 Minuten. Das gewundene Saartal, glitzerndes Wasser, überall Weinberge an den steilen Hängen und ganz oben ein neogotisches Schlösschen. Das klingt nach einem Tag mit besonders weichem Weichzeichner und das war es auch. Man saß im Schatten im Schlosshof und konnte sich durch das ganze Sortiment probieren, umgeben von netten Menschen und umsorgt von der sympathischen Winzerfamilie. Man denkt dann in solchen Momenten immer, dass Winzer eigentlich das ganz große Los im Leben gezogen haben. Dann hörte ich, dass im Jahr zuvor ein erheblicher Teil der Reben von Schloss Würtzberg erfroren war und viele Paradeweine des Guts gar nicht angeboten werden konnten. Hört man so etwas, wird einem klar: Gerade Winzer haben trotz einem Leben in idyllischer Umgebung immer mit den Launen der Natur zu kämpfen und müssen manchmal auch mit solchen Tiefschlägen leben.
Der Qualität der ausgeschenkten Weine tat das keinen Abbruch. Es gab viele Highlights bei dieser Probe, aber dieser Wein, den ich heute vorstelle, ist ein Mittwochswein: Der Wein hat für etwa 10 Euro im Handel ein wirklich starkes Preis-Leistungsverhältnis, da muss man nicht bis zum Sonntag warten, um den Korkenzieher anzusetzen! Dieser feinherbe Scivaro (althochdeutsch für Schiefer) hat alles, was ein Riesling von der Saar braucht: ein zarter Duft von Mirabellen und Stachelbeeren, starke Mineralität im Glas, am Gaumen das typische, elegante Süße-Säure-Spiel des Saar-Rieslings in Reinform.
Fazit: Selten einen so guten Basisriesling im Glas gehabt! Ich habe Dirks Kofferraum an diesem Tag ordentlich vollgepackt. Jetzt bin ich gespannt auf die 2025er, denn ich habe es ja nicht so weit bis Schloss Würtzberg. Aber erst mal geht es sehr bald an die Mosel, denn da wachsen auch feine Sachen! À bientôt!

Schloss Würtzberg in Serrig, ein Traum mitten in den Weinbergen. Wer tiefer eintauchen will: Sie haben dort auch eine Ferienwohnung. Fotos: Dirk Guldner
