Eine blitzschnelle, frische Erdbeer-Caprese nicht nur für Strohwitwer
„Wenn man Strohwitwer ist, so versäume man in keinem Brief an die Gattin, von der Sehnsucht nach ihr zu sprechen“, so konnte man es schon 1899 in einem bekannten Büchlein namens „Der moderne Knigge“ nachlesen. Genau das habe ich ja – allerdings per Whatsapp – getan, als ich kürzlich sieben lange Tage Strohwitwer war. Die Sehnsucht nach Frau Knauber hat das allerdings nicht reduziert und gegen die zustandsbedingten Verwahrlosungstendenzen hat es auch nicht geholfen. Damit meine ich jetzt nicht, dass ich mit dem Rasieren nachlässiger geworden wäre, einen alten James Bond nach dem anderen geschaut hätte oder etwas bedenkenloser mit dem guten Grappa hantiert hätte. Das wäre ja irgendwie erträglich, obwohl es natürlich nur hypothetisch hätte so sein können. Es war viel schlimmer: Ich hatte partout keine Lust, für mich alleine zu kochen. Und ich hatte auch keine Lust, das Haus zu verlassen, um alleine Essen zu gehen oder einzukaufen.
Wenn man beide Unlustigkeiten – nicht kochen und nicht einkaufen – lange genug durchhält, ist irgendwann der Kühlschrank ziemlich leer. Und dann wird es interessant. Weil man dann darüber nachdenkt, Dinge zu kombinieren, die eigentlich gar nicht zusammenpassen. Es war exakt dieses Stadium der Strohwitwerschaft, etwa am fünften Tag der Einsamkeit, an dem ich die wirklich letzten essbaren Inhalte aus dem Kühlschrank kombinierte. Und siehe da, es ging nicht nur blitzschnell, sondern war auch unerwartet lecker: Der Salat von Erdbeeren, Mozzarella und Basilikum!
300 g Erdbeeren, gewaschen und geviertelt (Grün entfernen)
150 g Mozzarella, gewürfelt
3 EL frisch gehacktes Basilikum
3 EL Olivenöl
3 EL Balsamicosirup
Schwarzer Pfeffer aus der Mühle nach Geschmack
1 Prise Fleur de sel
In einer Schüssel vorgekühlte Erdbeeren, Mozzarella und Basilikum mischen, würzen, Olivenöl unterheben, anrichten und zum Schluss mit dem Balsamicosirup dekorieren. Und das ist wirklich kein Not-Essen wie etwa eine Maggi-Ravioli, die die richtig harten Strohwitwer und Junggesellen auch kalt direkt und direkt aus der Dose essen. Nein, es bleibt sogar als frühsommerliche Leckerei auf meinem Programm, so lange es noch Erdbeeren gibt.
Als Frau Knauber nach einer langen Woche endlich zurückkehrte, habe ich ihr natürlich sofort von meiner kulinarischen Entdeckung berichtet, und nun liebt auch sie dieses überraschende Produkt meiner Einsamkeit. Dass ich die sieben Tage eigentlich ganz gut – wenn auch unrasiert – überstanden hatte, den Grappa wirklich kaum angerührt und höchstens drei alte James-Bond-Filme geschaut hatte, erwähnte ich lieber nicht. Manche Dinge sollte ein Strohwitwer für sich behalten. À bientôt!