Der Mittwochswein: „Le Caillou“ Côtes-du-Rhône blanc 2025
Ein kleiner Parade-Weißwein von der südlichen Rhone
Was für mich ein Mittwochswein ist? Ganz klar: Es ist nicht die mitunter teure, super extraktreiche Flasche, die schon mal am Feiertag auf dem Tisch steht und bei der man ehrfürchtig auf das „Plopp“ des Korkens wartet. Der Mittwochswein, das ist das, wonach Weinfreunde wirklich auf der Suche sind: Der unerwartet leckere Tropfen für 10 Euro und darunter, der mit außerordentlichem Preis-Leistungs-Verhältnis belohnt. Wo beim ersten Schluck die Augenbrauen hoch gehen. Wo die Genießer sich nach dem Anstoßen vielsagend, mit leichtem Nicken, in die Augen schauen. Das ist ein Wein, für den es nicht unbedingt Sonntag sein muss, um zum Korkenzieher zu greifen. Ein Mittwochswein eben. Und das hier ist wirklich einer.
Deutlich unter 10 Prozent der Rebfläche entlang der Rhone sind Weißweinen vorbehalten. Die großen Namen Grillet, Beaucastel und Chave gehören zu den größten Weinwerten Europas und so werthaltig sind berechtigterweise auch die Preise für diese Schlachtschiffe. Der kleine aber feine Weißwein ist an der Rhone nicht die Regel. Doch wie so oft sind es die Schlachtschiff-Winzer, die auch und gerade auf die Qualität ihrer „kleineren Weine“ besonderen Wert legen.
Und schon sind wir beim renommierten Weingut Clos du Caillou angekommen, genau im Viereck zwischen Orange, Carpentras, Gigondas und Chateauneuf du Pape gelegen. Die können was, sie beeindrucken seit vielen Jahren mit ihren Roten, die von den einfachen bis zu den Top-Qualitäten immer hervorstechen. Diesen Weißen habe ich irgendwie immer übersehen und mir letztens mal eine Flasche vom neuen Jahrgang mitgenommen, als ich bei meinem Weinhändler war. Kommt so etwas ins Glas, kann man darüber nur staunen. In der harmonischen Cuvée liefert Viognier (30%) exotische Frucht, Clairette Blanche (30%) Leichtigkeit und zarte salzige Noten, Roussanne (20%) Fülle und Grenache Blanc (20%) eine milde, abgerundete Weichheit. In der Nase zeigt sich ein zarter Hauch von Blüten und Muskatbirne, im Geschmack Melone mit einem Spritzer Limette.
Dieser Wein hat trotz seiner angenehmen Aromatik auch seine Ecken und Kanten, die ihn zu einem tollen Essensbegleiter machen. Von Thunfischtatar mit weißem Balsamicosirup bis hin zu Kaninchen in Senfsauce reicht da für mich die Bandbreite der Teller, bei denen dieser Tropfen mitspielen kann. Was für ein Mittwochswein. À bientôt!