DAS Buch, um die Küche mit Knoblauch, Kräutern und Oliven zu verstehen
Das Musée Lichtner in Sérignan-le-Comtat wird seine Türen im September für immer schließen. Seit Jahrzehnten konnte man sich hier zu Leben und Werk des früh verstorbenen Malers Werner Lichtner informieren. Für mich ist das ein Moment des Innehaltens – und der Dankbarkeit. Denn die Frau des Malers, Monique Lichtner, hat mit ihren in den 80er Jahren erschienenen und von Werner Lichtner liebevoll illustrierten Kochbüchern mein Kochen geprägt wie kaum jemand anders. Sie hat mir durch ihre Worte beigebracht, was Kochen wirklich bedeutet: Liebe, Großzügigkeit, Mut. Und die tiefe Überzeugung, dass gute Zutaten kein Luxus, sondern notwendig sind.
Das Buch
La Cuisine Provençale ist nicht nur ein Kochbuch im üblichen Sinne. Es ist ein Dokument einer Lebensweise. Monique Lichtner, die einen großen Teil ihres Lebens in der Provence verbrachte und zu einer Botschafterin der provenzalischen Küche wurde, hat hier nicht einfach Rezepte aufgeschrieben. Sie hat in vielen Gesprächen mit den provenzalischen Frauen ihres Dorfes eine kleine Welt festgehalten – mit Knoblauch, Kräutern, Oliven und einer Selbstverständlichkeit, die man nur hat, wenn man wirklich dort lebt und nicht nur zu Besuch ist.
Ich habe mit diesem Buch vor über zwei Jahrzehnten quasi Kochen gelernt. Und noch heute blättere ich darin und stoße auf Rezepte, die ich noch nicht ausprobiert habe.
Eine persönliche Geschichte
Wer meinen Blog kennt, weiß: Wenn ich nach einem Urlaub in der Provence den roten Koffer aufklappe, ist es schöner als Weihnachten. Die Düfte von Tapenade, Kräutern, Nougat und – vor allem – den prallen, violetten Knoblauchzöpfen erfüllen binnen Sekunden die ganze Wohnung. Es ist, als würde die Provence selbst zu Besuch kommen.
Genau in so einem Moment der Provence-Sehnsucht habe ich eines Tages wieder in Monique Lichtners Buch geblättert, war auf der Seite des Aïado gelandet – einer gerollten Lammschulter mit Petersilie, Knoblauch und einer Sauce, die ich nur als überirdisch beschreiben kann – und hatte beschlossen, es endlich zu kochen. Was dann geschah, habe ich hier im Blog schon erzählt: http://www.knauber-kocht.de/frisch/aiado-wenn-der-knoblauch-koenig-ist.html
Was ich damals noch nicht ahnte: Monique Lichtner würde auf meinen Beitrag reagieren. Und ich würde mich über ihre nette Nachricht freuen – und über signierte Exemplare ihrer Bücher. Ein unvergesslicher Moment.
Warum dieses Buch heute noch wichtig ist
In Zeiten, in denen Kochbücher leider oft mehr Hochglanzfotografie als Substanz bieten, ist La Cuisine Provençale ein Anker. Hier steht, was wirklich zählt: Respekt vor den Zutaten, Mut zur Einfachheit und die Bereitschaft, sich von einer regionalen Küche wirklich führen zu lassen. Wenn Monique Lichtner das berühmte „Huhn mit vierzig Knoblauchzehen“ beschreibt, dann meint sie tatsächlich vierzig Knoblauchzehen. Beim ersten Mal habe ich mich nicht getraut. Inzwischen weiß ich: Sie hatte recht. Sie hat immer recht.
Die Empfehlung
La Cuisine Provençale von Monique Lichtner – und das Folgebuch Knoblauch, Kräuter und Oliven – sind nicht leicht zu bekommen. Aber der Aufwand lohnt sich: Antiquariate, auf Kochbücher spezialisierte Buchhandlungen, das geduldige Suchen im Netz. Oder noch in diesem Sommer ein kleiner Umweg im Sommerurlaub nach Sérignan-le-Comtat. Er lohnt sich: http://lichtner-aix.com
Wer die Provence liebt, wer verstehen möchte, warum Knoblauch kein Würzmittel, sondern ein Gemüse ist, wer Kochen als kulturellen Akt begreift – der braucht diese Bücher.
Merci, Madame Lichtner. Pour tout.
*„knauber liest“ ist eine neue Rubrik, in der ich Kochbücher und gastrosophische Bücher vorstelle, die mich wirklich bewegt haben – und nicht nur meine Küche.*

Klassiker: Huhn mit 40 (!) Knoblauchzehen
