Ein leichter Rosé ist manchmal wie ein alter Freund
Ich nenne sie Mittwochsweine. Manche nennen sie Terrassenweine. Klingt ein bisschen nach dem, was man schnell im Kühlschrank verschwinden lässt, bevor die Nachbarn kommen und man sich nicht blamieren will. Klingt ein bisschen nach „reicht doch“ und „ist ja nur für draußen“. Und dann erst recht der Ausdruck „Alltagswein“ – als wäre das Zeug dafür da, die Pflicht zu erfüllen, bis endlich der „richtige“ Wein auf den Tisch kommt.
Dabei sind genau diese Tropfen oft die ehrlichsten, die es gibt: Die „kleinen“ Weine nämlich. Die dich nicht mit dreißig Monaten Barrique und 94 Punkten auf die Knie zwingen wollen. Die, die einfach nur da sind, wenn die Füße hochgehen, die Zunge ein bisschen müde ist vom Reden und nach einem heißen Tag die Sonne langsam runtergeht. Kein Aufwand, keine übertriebene Komplexität, nur ein kühles Glas und das gute Gefühl, dass die Welt genau hier auf der Terrasse in Ordnung ist. Die kleinen Weine sind wie die alten Freunde, die nicht ständig was Neues beweisen müssen. Die einfach da sind und gut drauf.
Und genau deshalb passt der Rosé Saint Amand von Tariquet aus der Gascogne so verdammt gut auf meine Terrasse. Nur 11,5 Prozent, aber mit so einer hellen, saftigen Frische, dass man nach dem ersten Schluck schon weiß: „Ja!“. Rote Beeren und ein Hauch Grapefruit in der Nase, leicht, sauber, ohne Schnörkel, mit rundem Abgang. Der macht einfach Freude. Manchmal mehr als ein aufgetakelter Bandol-Rosé mit 15,5 Prozent in der Flasche und 40 Euro auf der Uhr, der nach dem zweiten Glas schon schwer im Kopf hängt. Und einem zusätzlich das Gefühl gibt, man müsste jetzt irgendwas Bedeutendes dazu sagen.
Der Tariquet dagegen sagt: Trink mich aus, stell dich in den Wind, und lass den Abend einfach passieren. Und manchmal, nicht nur mittwochs, ist das genau das, was man braucht. Im Handel um 8 Euro und wenn man Glück hat, etwas darunter. À bientôt!